| DVD-Kritik – Paganini im Labor
von Norbert Hornig
Der 225. Geburtstag Niccolò Paganinis im November 2007 war wieder einmal Anlass, an den legendären Violinvirtuosen aus Genua zu erinnern und vor allem auch all jene schaurigen Geschichten nachzuerzählen, die sich mit dem „Dämon“, dem „Teufelsgeiger“ und seinen Krankheiten beschäftigen. Legenden und historische Fakten vermengen sich gerade im Falle Paganinis auf skurrile Weise. Dass man der Wahrheit doch noch ein Stück näher kommen kann, zeigt dieser neue Paganini-Film von Volker Schmidt und Axel Fuhrmann. Er erzählt die Lebensgeschichte des Geigers und konfrontiert das Phänomen Paganini mit der modernen Naturwissenschaft.
Stefano und Andrea Paganini, direkte Nachfahren des großen Geigers, begaben sich an Originalschauplätzen auf Spurensuche und stellten Blutproben zur gentechnischen Analyse zur Verfügung. Der Nachweis dafür, dass der Maestro am so genannten Marfan-Syndrom gelitten habe (Riesenwuchs, verbunden mit Spinnengliedrigkeit und extremer Dehnbarkeit der Finger), konnte so zwar nicht erbracht werden obwohl ein Handabguss Paganinis darauf hinweist. Dass Paganini an Syphilis erkrankt war, ist nun jedoch aktenkundig. In seinen Haaren konnte in hoher Konzentration Quecksilber nachgewiesen werden. Das Metall wurde zur Behandlung der Krankheit eingesetzt.
Erhellend sind auf Ingolf Turbans Erläuterungen und Vorführungen zu Paganinis Geigentechnik, die das Violinspiel revolutionierte. Seine Paganini-Aufnahmen (Telos) sind Grundlage des Soundtracks. Für die Qualität des Filmes sprechen ebenso die Statements von Werner Fuld, der 2001 mit seinem Buch „Paganinis Fluch – Die Geschichte einer Legende“ (Schöffling) die wohl fundierteste Paganini-Biografie vorlegte.
Dokumentation ***** (Bestnote)
Bild/Klang ***** (Bestnote)
© Fono Forum Januar 2008
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