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Mauricio Kagel

Autor und Regie: Axel Fuhrmann
Redaktion: Reinhard Wulf (3sat), Lothar Mattner (WDR), Dr. Thomas Beck (SF)
Länge: 52 min
Format: DigiBeta 16:9
Produktion: merkur.tv GmbH im Auftrag von 3SAT, WDR, SF 2006/2007

Mauricio Kagel ist in Argentinien geboren. Er lebt in Köln. Ein halbes Jahrhundert lang. Die Stadt am Rhein ist zu seiner Heimat geworden. Hier arbeitete er im Elektronischen Studio des WDR, hier war er Professor für Neues Musiktheater an der Hochschule für Musik. Ganz in der Nähe Kölns, in Bonn, drehte er mit Joseph Beuys einen seiner ersten Experimentalfilme, „Ludwig van“. Seine Beschäftigung mit dem in Bonn verstorbenen und begrabenen Robert Schumann inspirierte ihn zu seinem „Mitternachtsstück“ mit Texten aus den Tagebüchern von Robert Schumann. Fünfzig Jahre ist es her, seit Pierre Boulez ihm in Buenos Aires sagte: Du musst hier weg: Nach Europa. Mauricio Kagel hat ein halbes Jahrhundert europäischer Musikgeschichte miterlebt und mit geschrieben.

Mit den Vorbereitungen zu seinem neuesten musikalisch-theatralischen Werk „Divertimento?“ beginnt die biografische Fernsehdokumentation anlässlich seines fünfundsiebzigsten Geburtstags, in der Mauricio Kagel über sein Leben und seine Kunst erzählt. Beginnend in der Gegenwart führt der Film zunächst zurück in Kagels Kindheit und Jugend. Am Ende des Portraits, in dem auch historische Film- und Konzertdokumente gezeigt werden, steht ein Konzertmarathon in Amsterdam mit dem seine Freunde mit Mauricio dessen fünfundsiebzigsten Geburtstag feiern. Die Konzerte beginnen morgens und enden Mitternachts; mit Kagels „Mitternachtsstück“.

Bereits in seiner Kindheit entwickelt Kagel ein Faible für den Film. In unmittelbarer Nachbarschaft seines Elternhauses befinden sich die Studios einer argentinischen Filmgesellschaft. Aus Resten und Abfällen höchst unterschiedlicher Filme setzt Kagel erste eigene Streifen zusammen. Von den beiden in Argentinien selbst gedrehten Filmen fällt der erste - nach dem Borges-Gedicht "Muertes de Buenos Aires" - der peronistischen Zensur zum Opfer. 1950 ist Kagel Mitbegründer der argentinischen Cinemathéque, 1952 bis 1956 Kritiker für Film- und Fotozeitschriften.

Mauricio Kagel hält sich selbst heute – wie er sagt - für eine Randfigur. Damit könne er gut leben, weil man ihn in Ruhe arbeiten lasse. Und er wurde Dozent, nicht um eine Kagel-Schule zu begründen, sondern um Wissen weiter zu geben. Das machte er so gut, dass zwei seiner Schüler, Ralf Hütter und Florian Schneider, die Band Kraftwerk gründeten und damit zu Wegbereitern des Techno wurden. Mauricio Kagel ist einer der bekanntesten und renommiertesten Komponisten der Gegenwart. Mit seiner kritischen und ironischen Haltung nicht nur zum Musikbetrieb, sondern auch zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die sich immer auch in seinen Stücken niederschlägt, hat er sich international einen Namen gemacht. Kagel ist einer der letzten großen Komponisten, die die Musikgeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur miterlebt, sondern auch mit geformt und mitgeschrieben haben.

In wenigen Filmen und zahlreichen Interviews hat Kagel bisher vorwiegend über seine Stücke, seine künstlerischen und kompositorischen Ideen, seine Kritik an der Moderne und über seine ästhetischen Ansätze gesprochen. In Buenos Aires – Köln erzählt er nun erstmals seine Lebensgeschichte. Aber nicht nur das. Wir erfahren auch, warum die Lust an der musikalischen Kommunikation und am spielerischen, oft ironischen Umgang mit Klang und Komposition für ihn so wichtig sind.

Der Film begleitet Mauricio Kagel bei seiner täglichen Arbeit, bei Proben und Aufführungen seiner Werke vor und hinter der Bühne. Kagel begibt sich in diesem Film auf eine Reise durch sein Leben, von seiner Kindheit und Jugendzeit, die von Beginn an geprägt war durch die Musik verschiedener Kulturen, bis heute.

Neudrehs: Amsterdam, Donaueschingen, Köln, Bonn, Krefeld
Archive: WDR, SF, SWR, NDR, Kagel Privatarchive

Mauricio Kagel

Mauricio (Raúl) Kagel wurde am 24. Dezember 1931 in Buenos Aires als Sohn einer polyglotten jüdisch-argentinischen Familie mit sehr linksgerichteten politischen Ansichten geboren. Er studierte Musiktheorie, Gesang, Dirigieren, Klavier, Cello und Orgel bei Privatlehrern, war aber als Komponist Autodidakt. An der Universität von Buenos Aires, wo u. a. Jorge Luis Borges unterrichtete, studierte Kagel Philosophie und Literatur. Im Jahr 1949 wurde er künstlerischer Berater der Agrupación Nueva Música von Buenos Aires, begann im Jahr 1950 zu komponieren und suchte dabei nach Ideen, die im Widerspruch zu dem von der Regierung Perón diktierten neoklassischen Stil standen. Nach dem missglückten Versuch, ein elektronisches Studio zu gründen, wurde er 1955 Chorleiter und musikalischer Begleiter für Proben am Teatro Colón und Redakteur für Film und Fotografie für das Journal nueva visión. 1957 reiste Kagel mit einem Stipendium nach Deutschland, ließ sich in Köln nieder und war als Mitglied der so genannten "zweiten Generation" von Darmstadt ständig mit der zeitgenössischen Musik verbunden.

In Deutschland nahm er schon 1958 an den Darmstädter Sommerkursen teil, wo er später Vorlesungen hielt (1960-66, 1972-76) und Konzerte zeitgenössischer Musik mit dem Rheinland Kammerorchester dirigierte (1957-61). Von 1961 bis 1965 gab er mehrere Konzerte und hielt Vortragsreihen in den USA. 1969 wurde er zum Direktor des Instituts für Neue Musik an der Rheinischen Musikschule in Köln und, als Nachfolger von Karlheinz Stockhausen, zum Leiter der Kölner Kurse für Neue Musik (bis 1975) ernannt; 1974 wurde er Professor für Neues Musiktheater an der Musikhochschule in Köln. Kagel war Mitbegründer des Ensembles für Neue Musik in Köln und hat in den elektronischen Studios von Köln, Berlin und Utrecht gearbeitet.

Kagel dirigiert weiterhin viele seiner Werke selbst und ist Regisseur und Produzent aller seiner Filme und Hörspiele.


Kontakt:
Axel Fuhrmann,
Leiter Entwicklung und Produktion


merkur.tv GmbH
Heinrich-Brüning-Str. 9
53113 Bonn
Telefon 0228/ 88 41 29
Telefax 0228/ 88 41 60
Mail afuhrmann@merkur.tv


Ein Unternehmen der Verlagsgruppe Rheinischer Merkur und der Tellux

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