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Der weiße Riese
Werner Müller – Minister, Manager und Kumpel

Autoren: Michael Rutz und Axel Fuhrmann
Regie: Axel Fuhrmann
Redaktion: Mathias Kremin (WDR), Andrea Ernst (Arte)
Länge: 43'30 min
Format: DigiBeta 16:9
Produktion: merkur.tv im Auftrag des WDR
Sendetermin: Arte, Sonntag, 4. Mai 2008, 18:15 Uhr
Sendetermin: WDR, Montag, 2. Juni 2008, 23:15 Uhr

Ursprünglich wollte er Konzertpianist werden, doch ihm zitterten die Hände. Also wurde er Industriemanager und Wirtschaftsminister. Heute streitet er als Chef des Energie- und Chemiekonzerns Evonik für den Industriestandort Deutschland.

Kohle und Kultur – das sind die Rohstoffe für Werner Müllers hochfliegende Pläne. Er ist Konzernlenker, Visionär, Querdenker, Enfant Terrible und Musikfreund. Als Wirtschaftsminister im Schröder-Kabinett bewies er „Herz für Kumpel und Konzerne“. Als Kind des Ruhrgebiets und Vorstandsvorsitzender der RAG hat er die umfangreichste Konzernumstrukturierung in der Geschichte des Unternehmens ins Visier genommen der alten RAG einen neuen Namen gegeben: Evonik Industries. Und 2008 will er das aufpolierte Flaggschiff unter diesem Namen an die Börse bringen. Mit gewagten unternehmerischen Plänen sorgt Müller fast täglich für neue Schlagzeilen. Angesichts der Kostenspirale im internationalen Rohstoffgeschäft plant er die modernste Zeche der Welt – mitten in Nordrhein-Westfalen. Nicht nur im Ruhrgebiet, dem Land der Kumpel und der Zechen, sorgt Müller für großes Aufsehen. Unter seiner Führung hat sich die Evonik in kürzester Zeit zum international agierenden Gobal Player entwickelt. Ob in der Türkei, Bogota oder bald auf den Philippinen – Kohlekraftwerke der Evonik-Tochter STEAG liefern Strom in aller Welt. Längst ist Müller in die Top Ten der deutschen Manager vorgerückt, sitzt im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, die er auch Richtung Börse treibt. Welches Erfolgsgeheimnis verbirgt sich hinter diesem Vollblutunternehmer, der die alte Ruhrkohle AG endgültig von ihrem schwarzstaubigen Image befreit hat und nun in neuem weißen Glanz erstrahlen lässt? Antworten auf diese Frage geben Werner Müller selbst, seine engsten Freunde, Mitarbeiter, Weggefährten und Familienangehörige.

Der Konzerndirigent

Müller residiert hoch über dem Ruhrgebiet, in der 21. Etage des Evonik Hoch-hauses. Durch den Nebel vor seiner Fensterfront sieht man die Silhouetten des Gelsenkirchener Kohlekraftwerks. In seinem Zimmer lassen sich hinter dicken Zigarillo-Qualm-Schwaden Bilder von Emil Schumacher und Ursel Maxisch erkennen. Aus der Stereoanlage perlt Scarlatti - eine Aufnahme von Christian Zacharias.

Im Büro von Werner Müller gibt es keine Stille. Wenn der Konzernchef am Morgen kommt, wirft er den CD-Spieler an und schaltet ihn erst aus, wenn er wieder geht. Die Beschallung läuft, während er an Konzepten zum Börsengang der Evonik tüftelt oder wenn die Kanzlerin anruft, und nach dem Rechten hört.

Am liebsten hört er Bach. Und an dessen Werken arbeitet sich der Hobby-Pianist am heimischen Flügel ab. "Bach zu spielen bedeutet, am Unerreichbaren zu arbei-ten", sagt Müller. Das klingt, als sei Musik eine Spielform des Managements, wenn es darum geht innerhalb strenger Formen kreativ zu sein. "Ehrlich gesagt glaube ich, es ist leichter, die RAG neu zu ordnen als die "Goldberg-Variationen" von Bach zu perfektionieren", sagt Müller und er meint es ernst. Mit acht Jahren begann er Kla-vier zu spielen, mit zehn kaufte er seine erste Klassik-Platte: Mozarts Klavierkon-zerte. Mit 14 trat er in den Buchclub "Das Beste" ein, weil Toscaninis Beethoven-Sinfonien spottbillig angeboten wurden.

Dann hat er sich Partituren besorgt und mitdirigiert: "Es hat mich begeistert, zu sehen, wie die Stimmen laufen, wie ein Gesamtklang aus den einzelnen Instrumentengruppen entsteht."

Mut zum Risiko und Disziplin sind Müllers Erfolgsrezept auf seinem steinigem Karriereweg zum Konzerndirigenten der Evonik. Der Stromgigant RWE setzte den studierten Sprachwissenschaftler 1980 auf die Straße, weil er öffentlich den Ausstieg aus der Atomenergie predigte. Im Vorstand des VEBA-Konzerns fand er neben dessen Chef, Benningsen-Foerder, eine neue Herausforderung. Doch als sein Mentor starb, begann sein Stern auch dort bald zu sinken. 1997 verlässt er das Unternehmen und wird zum Berater des damaligen Kanzler-kandidaten Gerhard Schröder.

Große Oper Politik

Als Kanzler Schröder 1998 sein Kabinett bildete und feststellte, dass der Quereinsteiger Jost Stollmann keine Lust hatte, als Wirtschaftsminister anzu-treten, rief er Müller an. Und der sagte zu. Vier Jahre lang lebte er die große Oper Politik. "Der Vergleich zwischen Oper und Politik ist nicht vollkommen abwegig", sagt er heute, "schließlich spricht man ja auch von der politischen Bühne und man lernt schnell, dass man mitspielen muss - auch wenn man eigentlich nicht immer mitsingen will."

Das erste Kabinett von Immendorff-Freund und Bundeskanzler Gerhard Schröder war ein durchaus kultivierter Verein, der Helmut Kohls Passion für aufgeblasene Käthe-Kollwitz-Skulpturen ablöste.

Herta Däubler-Gmelin singt bis heute aktiv im Chor, und Otto Schily ist begeisterter Pianist. "Mit Schily habe ich mich über die Musik angefreundet", sagt Müller. In Sitzungspausen unterhielten die beiden Pianisten sich über die neusten Bach-Interpretationen. Während Müllers Minister-Amtszeit konnten allerdings weder der Innenminister noch der Katholik Müller Scorpions-Fan Schröder zur Klassik konvertieren. Der Kanzler hört Jazz.

Ein halbes Jahr vor seinem Amtsende buchte Werner Müller eine Weltreise für sich und seine Frau - während die Öffentlichkeit darüber diskutierte, ob er eine zweite Amtszeit absolvieren würde - und er organisierte seinen Abschied aus dem Wirtschaftsministerium mit einem spektakulären Abgesang: Der Ba-riton Thomas Quasthoff gab ihm zu Ehren Schuberts "Winterreise". "Fremd bin ich eingezogen; Fremd zieh' ich wieder aus", so lauten die ersten beiden Zeilen aus Schuberts Lied "Gute Nacht" aus dem Zyklus. Müller hat eine sen-timentale Neigung für Symbolisches. Für die Sprache der Kunst.

Der Nachteil am Ministerjob war, dass er keine Zeit mehr zum Üben fand. "Inzwischen gilt für mich leider der Satz: Je schlechter man wird, desto mehr muss man sich auf die langsameren Sätze konzentrieren." Auch jetzt als Vorstandsvorsitzender der RAG muss er sich weiter auf die langsamen Sätze kaprizieren. Seine musikalischen Kontakte kann er aber pflegen. Besonders zu seinem Freund, dem Leiter der Internationalen Bach-Akademie, Helmuth Rilling.

Müller, der seine Laufbahn 1973 bei dem Stromkonzern RWE begann, hat seinen privaten Lebenstraum, die Musik, zur Firmenphilosophie erhoben – und sein Erfolg als Chef der Evonik gibt ihm Recht.

Manager aus Leidenschaft

Als Kind des Ruhrgebiets, hat Werner Müller nie vergessen, welche Emotio-nen mit dem Namen der alten RAG verbunden sind. Niedergang der Montan-Industrie, Zechensterben, wirtschaftliche Umstrukturierung des Ruhrgebiets. Müller hat den einst angeschlagenen Konzern-Riesen auf wirtschaftlich solide Füße gestellt, sein Image auf Hochglanz poliert und ihn zu einem der schlagkräftigsten Energie- und Chemie-Unternehmen der Region gemacht. Unternehmenspolitik macht Müller aber nicht nur mit scharfem Blick in die Zukunft. Nur vor dem Hintergrund der Geschichte der Region kann sie erfolgreich sein. Deshalb setzte er sich als Konzernchef und Kulturmensch leidenschaftlich für die Bewerbung des Ruhrgebiets als "Kulturhauptstadt 2010" ein. "Das Ruhrgebiet ist dieser Auszeichnung zweifellos würdig, denn in den vergangenen 150 Jahren haben Menschen aus über 180 Ländern hier zweifellos eine Region geschaffen, die weltweit einzigartig ist.

Die traditionsreiche Geschichte von Kohle und Stahl hat dieser Epoche ihren Stempel aufgedrückt. Diese Wurzeln bleiben. Doch aus dem Ruhrgebiet ist längst etwas Neues gewachsen: Einer der größten Wirtschaftsstandorte Europas."

So arbeitet der sympathische, oft verschmitzt lächelnde Mann mit dem Zigarillo nicht nur weiter am Erfolg des Wirtschaftszentrums, sondern auch des Kulturstandortes Ruhrgebiet. Vielleicht, damit er auch in Zukunft in der Philharmonie, nicht weit der Konzernzentrale, recht oft seiner musikalischen Leidenschaft nachgehen kann.

Film-Stil

Im Film zeigen wir den Menschen und Manager Werner Müller. Leben und Aufstieg Müllers zu einem der wichtigsten Industriemanager Deutschlands. Roter Faden sind die Ereignisse auf dem steinigen Weg der RAG zum Börsengang der Evonik 2008. Einem Weg voller Niederlagen und Siege. Im April 2007 scheint Müller fast am Ziel. Da tauchen plötzlich Geheimdokumente tauchen auf, die angeblich belegen sollen, dass die RAG mit dem russischen Energiekonzern Gasprom über einen Anteilsverkauf verhandeln wolle. Wieder steht Müller im Kreuzfeuer der Kritik. Neudreh und Archivmaterial verbinden sich zu einem sehr persönlichen und emotionell geladenen Film. Wir begleiten den Konzernlenker bei offiziellen Anlässen, wie bei dem alljährlichen Weihnachtskonzert der RAG mit Helmut Rilling, auf dem Flug nach Berlin zum Kanzleramt und zur Aufsichtsratssitzung bei der Deutschen Bahn AG, bei der inter-nationalen Energiekonferenz in Berlin, aber auch bei inoffiziellen Gelegenheiten, dem Grillabend der RAG, dem Konzertbesuch in der Essener Philharmonie oder auf privaten Reisen. Hinter den Kulissen sammeln wir sehr persönliche Eindrücke, die dem Zuschauer unerwartet tiefe und emotionale Einblicke in das Leben, Denken, Fühlen und Handeln des „Kohlekönigs“ vermitteln.

Wir sind dabei, wenn Werner Müller Altbundeskanzler Gerhard Schröder und seinen Musikfreund Helmut Rilling trifft. In Interviews verraten und Bahnchef Hartmut Mehdorn, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, der IGBCE Vorsitzende Hubertus Schmoldt, Romanautor Rafael Seligmann und der neue Chef der RAG Stiftung Wilhelm Bonse-Geuking ihre ganz persönlichen Eindrücke über den Manager und Visionär mit den hochfliegenden Plänen. Aber auch Menschen aus Müllers direktem Umfeld wie sein Chauffeur u.a. werden zu Wort kommen.


Kontakt:
Axel Fuhrmann,
Leiter Entwicklung und Produktion


merkur.tv GmbH
Heinrich-Brüning-Str. 9
53113 Bonn
Telefon 0228/ 88 41 29
Telefax 0228/ 88 41 60
Mail afuhrmann@merkur.tv


Ein Unternehmen der Verlagsgruppe Rheinischer Merkur und der Tellux

Pdf-Ansicht: "Werner Müller – Porträt"

 

 

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