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Adel verpflichtet –
Fürst Karl von Schwarzenberg

Buch: Michael Rutz und Axel Fuhrmann
Regie: Axel Fuhrmann
Redaktion: Christiane von Hahn (BR arte), Jörg Lösel (BR alpha), Gerhard Jelinek (ORF)
Länge: 43'30 min
Format: DigiBeta 16:9
Produktion: merkur.tv GmbH für BR arte, BR alpha, ORF
Sendetermin: BR alpha, Do., 21. Mai 2009, 20:15 Uhr

„Vom Bohemien zum Menschen, vom politischen Kokettierer zum Lotsenmann zwischen Ost und West“. So beschrieb das Wirtschaftsmagazin „trend“ einmal das Leben Karl von Schwarzenbergs. Die Biographie des Fürsten ist filmisch bisher unerzählt geblieben. Dieser Film zeigt die Geschichte eines Mannes, der als Kind die Naziherrschaft in Prag erlebte, mit seiner Familie 1948 von den Kommunisten aus der Tschechoslowakei vertrieben wurde und der heute Außenminister der Tschechischen Republik ist.

Kindheit in Prag

„Wir haben am Flakgeschütz Karussell gespielt, und wir haben den Russen zugeschaut, wie sie mit Granaten den Fischteich ausgeräumt haben“, erinnert sich Karl von Schwarzenberg an seine Kindheit.

1937 in Prag geboren und dort von tschechischen Privatlehrerinnen erzogen, erlebt er dort als Kind die Besetzung durch die Nazitruppen, den Zweiten Weltkrieg, die Besetzung durch die Rote Armee, Staatsstreich und Vertreibung. 1949, Karel ist 11 Jahre alt, muss die Familie aus Böhmen fliehen. Sein Onkel Adolf wird enteignet und die Familie Schwarzenberg siedelt um nach Wien.

Die Zeiten und die Ereignisse seiner frühen Kindheit, Beschlagnahme des Besitzes durch die Nazis und Vertreibung bringen es mit sich, dass Schwarzenberg früh interessiert ist an der Politik. „Eigentlich habe ich schon als Zehnjähriger angefangen, Zeitung zu lesen“, so Schwarzenberg.

Jugend in Wien

Karl besucht in Wien das Gymnasium und schließt dieses 1957 mit Matura ab. Ganz der Familientradition folgend beginnt er mit dem Studium der Forst- und Rechtswissenschaft, das er aber nicht abschließt. Schwarzenberg: „Ich war ein miserabler Schüler und auch ein miserabler Student. In Griechisch war ich miserabel, Mathematik war miserabel.“

Vom Bohemien zum Prinzipal

Viel mehr interessiert ihn das nächtliche Wien, die Sphäre der Journalisten und Intellektuellen, der Künstler und Schriftsteller. So besucht er im Rahmen seines, wie er sagt, „nächtlichen Pflichtgangs“ zuerst das Cafe Havelka, dann ging es in die Fledermaus und die Marietta-Bar. „Das war interessant, wenn Friedrich Torberg gegen Mitternacht kam, oft war auch der Qualtinger da und manche andere Freunde. Man zog sich dann ins Hinterzimmer zurück, das waren durchaus anregende und interessante Abende.“

Aus der bürgerlichen Linie der Schwarzenbergs stammend, wird Karl 1965 von Heinrich Prinz von Schwarzenberg adoptiert. 1967 heiratet Karl von Schwarzenberg Therese Gräfin von Hardegg, mit der er drei Kinder hat. 1988 wird die Ehe geschieden. 1979 stirbt sein Onkel Joseph III. von Schwarzenberg. Karl tritt sein Erbe an und wird Patron des Hauses Schwarzenberg. Seitdem sind in seiner Person beide Linien des Hauses Schwarzenberg, die bürgerliche und die fürstliche Linie, vereinigt.

Heute ist Karl von Schwarzenberg, dessen Familie ursprünglich aus Scheinfeld in Deutschland stammt, Außenminister des Landes, aus dem er und seine Familie 1949 von den Kommunisten vertrieben wurden. Seine Schlösser, Güter, Wälder und Unternehmen verwaltet er aus Österreich. Aus dem Land, in dem seine Familie nach der Vertreibung ihre zweite Heimat fand.

Politischer Aufstieg

Die große Lebenswende kommt, als er 1984 Präsident der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte wird. Eine Funktion, die dem auf internationalem Parkett erfahrenen Böhmen, der nie seine tschechoslowakische Staatsbürgerschaft aufgegeben hatte, wie maßgeschneidert passt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er über verschwiegene Kanäle die Dissidenten rund um die Charta 77 und den Schriftsteller Václav Havel unterstützt.

Jetzt kann ihm das Prager Regime nicht mehr die Einreise verweigern. Der „Genosse Fürst“, wie Wolf Biermann den Nachfahren von Feldherren und Staatsmännern anerkennend nennt, wird zu einem Wegbereiter der Revolution von 1989. Als der Fürst zum ersten Mal nach der Vertreibung seiner Familie aus der Tschechoslowakei wieder das väterliche Schloss Orlik besucht, in dem er aufgewachsen war, fühlt er unweigerlich: „Da habe ich plötzlich gewusst, ich bin wieder daheim“.

Am 21. Dezember 1989 überträgt Václav Havel seinem Freund und Mitkämpfer Schwarzenberg das Amt des Stabschefs auf der Prager Burg. Der weltläufige Aristokrat und Heimkehrer säubert den Beamtenapparat der Prager Staatskanzlei von kommunistischen Hinterlassenschaften und hilft die für ihn schmerzhafte Trennung der beiden Staatsteile Tschechien und Slowakei zu bewältigen. Bis heute sind die drei Jahre auf dem Hradschin für ihn die wichtigsten seines Lebens.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Stab des Präsidenten bleibt Schwarzenberg politisch aktiv. Schließlich bewirbt er sich 2004 als Kandidat eines liberalen Parteienbündnisses um einen Senatssitz. Seinen Wahlkampf im gediegenen Wohn- und Diplomatenbezirk Prag 6 eröffnet er spektakulär mit einer Rundfahrt in einem rosa gestrichenen Panzerspähwagen. Den Großteil seiner Wahlkampfarbeit leistet er, wie schon damals im Studium in Wien, bei nächtlichen Wirtshaustouren. Am Ende wird er in die kontrollierende Kammer des Parlaments gewählt.

Seinen bislang letzten Karrieresprung an die Spitze des Außenministeriums im Januar 2007 kommentiert Schwarzenberg lapidar: „Die haben eben jemanden gebraucht, der den Job kann.“

FILMISCHE UMSETZUNG

Karl von Schwarzenberg beginng im Dezember 2007 seinen 70. Geburtstag. Er feierte mit seinen Kindern, seiner ehemaligen Frau, Therese von Hardegg, seinen Geschwistern und Freunden im Palais Schwarzenberg in Wien. Hier, wo Josef Haydns „Vier Jahreszeiten“ und „Die Schöpfung“ ihre Uraufführung erlebten, beginnt im festlichen Ambiente das Porträt des Fürsten Schwarzenberg. Sein wechselhaftes Leben in einem sich fortwährend politisch wandelnden Nachkriegseuropa ist geprägt durch deutsch-tschechische Wurzeln. Wie kaum eine andere Politiker-Biografie handelt diejenige Schwarzenbergs von Krieg, Revolution, Vertreibung, Rückkehr in die Heimat, von familiären Höhen und Tiefen und der späten Berufung in politische Ämter. Sie erzählt aber auch davon, wie ein junger adeliger Lebemann von heute auf morgen in eine große familiäre Verantwortung gestellt wird.

Ausgehend vom Geburtstagsfest beginnt die filmische Biografie mit dem Zweiten Weltkrieg in Prag und erzählt von dort ausgehend das Leben Schwarzenbergs, der als Böhme im gespaltenen Europa groß wird, den Prager Frühling miterlebt und zunehmend lernt Verantwortung zu übernehmen – seiner Familie gegenüber und später, nach seiner Heimkehr nach Tschechien, auch in der Politik. Der Film wird an zahlreichen Originalschauplätzen, hauptsächlich in Prag (Schule, das Familienpalais, Hradschin, etc.) und in Wien (Schule, Universität, Cafe Havelka, Fledermaus, Marietta-Bar, Palais Schwarzenberg, Nationalbibliothek) gedreht. Hier trifft Karl zu Schwarzenberg Kindheitsfreunde aus Prag und Wegbegleiter, wie etwa Oskar Bronner, den Gründer des Wiener „Standard“, der mit ihm gemeinsam 1970 das Wirtschaftsmagazin „trend“ gründete. Der Film erzählt davon, wie Schwarzenberg mit seiner schwangeren Frau Therese 1968 zum ersten Mal nach der Vertreibung seiner Familie nach Prag fährt. Die Krise zwischen den Reformern um Dubcek und der Sowjetführung steht damals kurz vor ihrem Höhepunkt.

Im Juli 1983 wird es für sieben Jahre zu einem Synonym für Freiheit und Widerstand der Tschechen, als Karl von Schwarzenberg das Schloss den Dissidenten zur Verfügung stellt, die hier ein tschechoslowakisches Archiv einrichten und ohne Angst vor Verfolgung schreiben und studieren können.

Karl von Schwarzenberg begibt sich für diesen Film auf eine spannende Spurensuche in seiner Vergangenheit als Kind, Student, Zeitungsherausgeber, Unternehmer, Politiker und Familienmensch. An authentischen Orten trifft er Zeitzeugen, erzählt über seine Prager Kindheit im Zweiten Weltkrieg, die Vertreibung, seine Schul- und Studienzeit in Wien und davon, wie es ist, wenn man plötzlich in jungen Jahren die Verantwortung für sämtliche Vermögenswerte und Güter eines Adelshauses übernehmen muss und man lernt – angetrieben aus innerer Überzeugung für das Eintreten von Menschenrechten und Vaterlandsliebe, politische Verantwortung zu übernehmen.

Auch über Privates, das Verhältnis zu seiner Frau, Therese Gräfin von Hardegg, und zu seinen drei Kindern wird Schwarzenberg Auskunft geben. „Ich kannte die Prinzessinnen, die herumgelaufen sind alle, aber ich wollte Thesi. Es war eine Liebesheirat“, erzählt Schwarzenberg rückblickend. Noch als Student heiratet er die Gräfin 1967. Karl versucht sich, wofür er, wie er einer Journalistin anvertraut, kein Talent hat: als Ehemann. 1988 wird die Ehe geschieden. 1992 hat Therese einen tragischen Skiunfall, der sie zu einer vom Kopf abwärts Gelähmten macht. Schwarzenberg besucht Therese am Krankenbett in St. Gallen. Kurz darauf erleidet er in Prag eine Herzattacke. Bis heute verbindet ihn mit Therese von Hardegg, die einen Flügel im Palais Schwarzenberg bewohnt, eine enge Freundschaft.

Archive

Der Film erzählt die Biografie des Fürsten auch vor dem Hintergrund der für ihn und sein Leben wichtigen zeitgeschichtlichen Ereignisse, die in historischem Filmmaterial aufschimmern. Historische Film- und Fotodokumente, darunter auch bisher unveröffentlichte Privataufnahmen aus dem Schwarzenbergschen Familienarchiv, ermöglichen Rückblenden in die Vergangenheit.

Interviews

Interviews mit seinen Kindern, seiner geschiedenen Frau Therese, seinen Geschwistern, Zeitzeugen und Wegbegleitern, wie Oskar Bronner, Václav Havel, Wolf Biermann u. a., historische Foto- und Filmdokumente und dokumentarischer Neudreh ergänzen sich zu einer facettenreichen Biografie, die dort ihr Ende nimmt, wo sie begann – im Palais Schwarzenberg, wo das Fest zum 70. Geburtstag des Fürsten stattfand.


Kontakt:
Axel Fuhrmann,
Leiter Entwicklung und Produktion


merkur.tv GmbH
Heinrich-Brüning-Str. 9
53113 Bonn
Telefon 0228/ 88 41 29
Telefax 0228/ 88 41 60
Mail afuhrmann@merkur.tv


Ein Unternehmen der Verlagsgruppe Rheinischer Merkur und der Tellux

Pdf-Ansicht: "Karl von Schwarzenberg – Fürst, Minister, Europäer"

 

 

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