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Ausgetanzt –
Wie Tänzer Abschied nehmen (AT)

Buch: Jörg Richter und Karin Janker
Regie: Jörg Richter
Länge: 43'30 min
Format: DigiBeta 16:9
Produktion: merkur.tv GmbH im Auftrag von 3sat

Tänzerinnen und Tänzer geben alles im Ballettsaal und auf der Bühne. Jeder Schritt, jede Bewegung, jede Körpergeste ist Ausdrucksmittel ihrer Sprache, die sie durch jahrelanges Training, viele Entbehrungen und Hingabe hart erlernt haben. Leid und Leidenschaft liegen dabei häufig dicht beieinander. Nirgendwo sind die Ausbildungszeiten länger und die Karrieren kürzer als im Tanz.

Idee

Anfang Mai 2009. Die Tänzer des Bayerischen Staatsballetts bereiten sich auf die letzte Premiere der Spielzeit vor. Anlässlich der Feierlichkeiten zum zwanzigjährigen Bestehen des Bayerischen Staatsballetts kommt eine einzigartige Uraufführung ins Nationaltheater München: Jirí Kylián wird mit „Zugvögel“ erstmals eine abendlange Kreation für München schaffen. Gemeinsam mit Künstlerkollegen wie Michael Simon und Yoshiki Hishinuma wird er ein Gesamtkunstwerk präsentieren, welches das Nationaltheater mit all seinen versteckten Räumen hinter und unter der Bühne sowie den öffentlichen Raum rund um das Theater mit Installationen, Film, Theater, Musik und Tanz einbezieht.

Schon bald nach dieser Premiere beginnt für die meisten Tänzerinnen und Tänzer ein kurzer Sommerurlaub - aber nicht für alle. Zum Ende dieser Spielzeit werden wieder mehrere Tänzer das das Staatsballett verlassen. Einige von ihnen wechseln zu anderen Ensembles.

Andere aber gehen nicht wirklich freiwillig. Aus Altersgründen oder wegen körperlicher Beschwerden müssen sie ihre Tänzerkarriere beenden. Seit ihrer Kindheit tanzen sie, haben ihr Leben ausschließlich dem Tanz verschrieben. Bis zuletzt höchste Konzentration, Körperdisziplin und wachsame Konzentration auf immer neue Choreografien. Jetzt, am Ende ihrer Karriere, stehen viele Tänzer vor dem Nichts. Sie wissen – sie müssen ein Leben ohne Tanz leben und diese, für sie unbekannte Welt, macht vielen von ihnen Angst. Transition nennen professionelle Tänzer den Übergang von ihrem bisherigen Beruf in eine neue Existenz – ein Prozess der schon beginnt, während sie auf der Bühne noch volle Präsenz zeigen müssen.

Bei ihren entscheidenden Schritten in ein neues Leben wird der Film „Ausgetanzt - La Derniere Valse“ Tänzerinnen und Tänzer des Bayerischen Staatsballetts begleiten.

Thema

Tänzerinnen und Tänzer geben alles im Ballettsaal und auf der Bühne. Jeder Schritt, jede Bewegung, jede Körpergeste ist Ausdrucksmittel ihrer Sprache, die sie durch jahrelanges Training, viele Entbehrungen und Hingabe hart erlernt haben. Leid und Leidenschaft liegen dabei häufig dicht beieinander. Kaum ein anderer Beruf fordert so viel Disziplin, Einsatz und Opferbereitschaft. Nirgendwo sind die Ausbildungszeiten länger und die Karrieren kürzer als im Tanz. Nur wer die tiefe Leidenschaft zu Tanzen in sich trägt, schafft es, diesem Be­ruf auch wirklich professionell nachzugehen.

Was fasziniert Tänzer an ihrem Beruf? „Es ist“, meint Ivan Liska, Ballettchef des Bayerischen Staatsballetts, „die Möglichkeit, mit dem Körper zur Musik Emotionen in Bewe­gungen von höchster Perfektion auszudrücken. Tanzen macht regelrecht süchtig und kann zur Droge werden“, meint er, „und da stelle sich natürlich kaum jemand die Frage nach dem Danach, dem Leben nach dem Tanz. Tänzer leben für ihren Auftritt, den Abend im Rampenlicht, in dessen Glanz sie alles geben. Doch wenn die letzten Schritte getanzt sind, wenn der letzte Vorhang fällt - was dann?“

Wenn andere mit 30 Jahren beruflich noch einmal neu durchstarten, müssen Tänzer dieses Alters oft schon ans Aufhören denken, entweder aus eigenem Antrieb oder sie werden von ihren Ballettchefs auf ihre nachlassende Leistungsfähigkeit hingewiesen. Durch Unfälle, Schmerzen und altersbedingte Leistungseinbußen, kommt irgendwann endgültig das Aus. Von den meisten Tänzern sieht man danach nichts mehr - sie sind wie vom Erdboden verschluckt.

Was wird eigentlich aus ihnen? Wie gehen sie mit der existenziellen Erfahrung um, in ein völlig neues Leben ohne Tanz einzutreten? Können sie sich darauf während ihrer letzten Spielzeit schon vorbereiten? Kümmern sich die Balletchefs um diesen emotional schwierigen Schritt? Oder müssen die Tänzerinnen und Tänzer ihren Abschied von der Bühne alleine mit sich selbst ausmachen? Und über allem schwebt die Frage der Existenzsicherung.

Fragen denen sich ganz aktuell die Ballettdirektoren-Konferenz intensiv widmet und auf die der Dokumentarfilm „Ausgetanzt“ am Beispiel des Bayerischen Staatsballetts Antworten sucht. Im Rahmen einer Langzeitbeobachtung über zwei Spielzeiten hinweg (2008/2009 und 2009/2010) begleiten wir Tänzerinnen und Tänzer bei ihren letzten Proben und Premieren auf ihrem oft steinigen Weg in das Leben nach dem Tanz.

Film

„Ausgetanzt - La Derniere Valse“ zeigt hautnah, wie Tänzer ihren Abschied von der Bühne erleben. Keiner von ihnen sieht dem Leben abseits der Bühne kühl und rational entgegen. Das Theater ist ihr zu Hause. Hier haben sie ihre sozialen Kontakte. Sie brauchen den Tanz, um sich auszudrücken, die Bühne wie die Luft zum Atmen. Der Film zeichnet ein emotionsgeladenes Bild des Abschieds aber auch des Neubeginns. Jeder Tänzer, der das Ensemble verlässt, hinterlässt eine Lücke, die gefüllt werden muss. Während die einen, noch tanzend, über das Aufhören nachdenken, erfüllt sich für die anderen der Traum des ersten Engagements. Durch diese zweite Perspektive entsteht ein starkes Spannungsfeld. Denn, obwohl die Sorgen der Nachwuchstalente ganz andere sind, können auch sie krankheits- oder unfallbedingt schon morgen vor der heiklen Frage stehen: Was kommt danach?

Der Film zeigt Ausschnitte aus Proben und Aufführungen und das Leben hinter den Kulissen des Tanztheaters, aufbereitet für jeden Zuschauer, denn das Thema des Films ist ein sehr emotionelles, existenzielles und universelles: Die Liebe zum Beruf, die Opfer, die man dafür bringen muss und dann der Punkt, an dem alles zu Ende zu sein scheint und man sich neu finden muss, die Wende im Leben, die Transition.

Hauptprotagonisten des Films sind Tänzer und Tänzerinnen, die sich gerade im Prozess ihrer Transition befinden. Ihre sehr persönlichen und emotionell geprägten Erlebnisse und Erfahrungen stehen im Zentrum des Films. Sie werden ergänzt durch Statements von Choreografen und Tänzern, die ihre Transition bereits bewältigt haben. Die facettenreichen, spannenden Lebenswege unserer Protagonisten werden durch Fotos und Privatvideos vom ersten Ballettschritt bis zur ersten großen Rolle dokumentiert. Es wird spürbar, was diese Menschen geprägt, was sie bewegt, was sie beeinflusst hat.

Personalisierung

Das Schicksal des Tänzerehepaares Marc Mondelaers und Laure Bridel-Picq steht im Mittelpunkt des Films. Die beiden Gruppentänzer haben sich während eines Engagements am Zürcher Ballett kennen und lieben gelernt. Sie haben ein Kind. Jetzt steht das Paar vor dem beruflichen und privaten Umbruch. Marc wird mit Ende dieser Spielzeit das Bayerische Staatsballett verlassen. Wie es bei ihm beruflich weiter geht, steht noch nicht fest. Seine Frau Laure ist gerade mit ihrem zweiten Kind schwanger. Welch ein Glück, dass das Bayerische Stattsballett auf Initiative seines Chefs Ivan Liska als einziges Haus in Europa einen eigenen Kindergarten eingerichtet hat. Denn nur so läßt sich der Tänzerberuf mit dem Wunsch nach einer Familie vereinbaren.

Auch Laure hat nicht mehr viel Zeit in ihrem Beruf. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes wird sie in der kommenden Spielzeit zwar wieder tanzen. Wie gut, dass Marc sich derweil um die Kinder kümmert. Der Film „Ausgetanzt - La Derniere Valse“ wird Laure und Valentina bei ihren letzten Proben, Trainings und Aufführungen begleiten und zeigen, wie sie sich von der Bühne trennen, wie sie die Ungewissheit überwinden und diese bisher größte Veränderung ihres Lebens bestehen.

Hauptprotagonisten

Laure Bridel-Picq,

geboren am 12.09.68 in Lyon/Frankreich, erhält ihre Ausbildung an der Schule von Rosella Hightower in Cannes. Ab 1987 ist sie für drei Spielzeiten beim Royal Danish Ballet engagiert. Danach bekommt sie ein Engagement beim Zürcher Ballett. Seit 1992 tanzt sie im Ensemble des Bayerischen Staatsballetts, inzwischen als Halbsolistin. Obwohl sie derzeit mit dem zweiten Kind schwanger ist, steht sie aber immer noch auf der Bühne. Im Sommer 2009 wird sie ihre aktive Laufbahn beenden. Das erste Kind geht in den Kindergarten des Staatsballetts.

Marc Mondelaers,

geboren am 26.11.69 in Hasselt/Belgien, beginnt seine Ausbildung 1983 am Stedelijk Institut voor Ballet in Antwerpen. Sein erstes Engagement erhält er an der Deutschen Oper am Rhein und 1990 geht er für zwei Jahre zum Zürcher Ballett unter Uwe Scholz. Hier lernt er seine Frau Laure Bridel-Picq kennen. Seit 1993 ist er im Corps de Ballet des Bayerischen Staatsballetts. Er beendete zum Ende der Spielzeit 2007/2008 seine Tänzerlaufbahn. Seine beruflichen Pläne stehen noch nicht endgültig fest. Momentan kümmert er sich um die gemeinsamen Kinder.

Nebenprotagonisten

Valentina Divina

in Bozen geboren, kommt mit 14 Jahren an die Münchner Ballett-Akademie/Heinz-Bosl-Stiftung. Nach ihrer Diplomprüfung tritt sie ihr erstes Engagement bei John Neumeier in Hamburg an und kehrt mit Gründung des Bayerischen Staatsballetts 1989 nach München zurück. 1995 wird sie zur Halbsolistin ernannt, zur Spielzeit 2004/2005 erfolgt die Ernennung zur Solistin. Parallel zu ihrer Arbeit als Tänzerin schließt Valentina Divina 1998 eine zweijährige Ausbildung als Ballett-Pädagogin mit dem Diplom ab. Mit ihrem Lebenspartner, dem Staatsballett-Solisten Norbert Graf, hat sie seit Sommer 2005 einen Sohn, Elias. Im Sommer 2009 wird sie ihre aktive Laufbahn beenden.

Freya Thomas

geboren am 5.6.90 in Slough, England. Ihre Ausbildung erhält sie an der renommierten Royal Ballet School. Ab September 09 tritt sie ihr erstes Engagement beim Bayerischen Staatsballett an. Noch hat sie ihre gesamte Karriere vor sich. Aber auch sie muss sich jetzt schon mit dem Gedanken auseinander setzen, was nach dem Tanz kommt.

 


Kontakt:
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Geschäftsführer

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