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Robert Schumanns verlorene Träume
Buch: Volker Schmidt-Sondermann und Axel Fuhrmann
Regie: Volker Schmidt-Sondermann
Redaktion: Winifred König (MDR), Lothar Mattner (WDR), Harald Letfuß (SWR), Dr. Thomas Beck (SF Schweizer Fernsehen), Hugo Sledsens (VRT Canvas)
Länge: 43'30 min
Format: DigiBeta 16:9
Produktion: Internationale Koproduktion
Co-Produzenten: MDR, WDR, SWR, SF Schweizer Fernsehen, VRT Canvas, Tonhalle Düsseldorf, Schumann Netzwerk und merkur.tv
Sendetermine:
03.06.2010, Do., 9:35 Uhr, ORF
06.06.2010, So., 22:00 Uhr, MDR
06.06.2010, So., 23:35 Uhr, SWR |
Rosenmontag 1854. Ausgelassen feiern die Narren in den Düsseldorfer Straßen. In Mitten des närrischen Treibens bahnt sich eine bleiche Gestalt ihren Weg durch die Maskierten. Im Karnevalstrubel fällt sie nicht weiter auf. Nur mit einem leichten Schlafrock bekleidet irrt Robert Schumann ziellos durch die Stadt. Auf einer Rheinbrücke schließlich bleibt er stehen, hält sich erschöpft am kalten Geländer fest. Über die Eisenstangen blickt er in die Tiefe. Mühsam klettert er dann auf das Geländer, bis er sich gerade aufrichten kann. Sein leerer Blick fällt auf den Ehering an seiner linken Hand. Hastig streift er ihn ab, schleudert ihn ins Wasser. Dann stürzt er sich von der hohen Brücke in den Fluss. Zwei Brückenwärter handeln geistesgegenwärtig und retten Schumann vor dem Ertrinken. Dem Tod ist der Komponist noch einmal entronnen, dem Wahnsinn aber ist er längst erlegen. Eine Woche nach seinem Suizidversuch wird er in die Nervenheilanstalt Bonn-Endenich eingewiesen.
Idee
Kaum ein Künstler polarisiert die Musikwelt bis heute so sehr wie Robert Schumann. Triumphe und Tragödien durchziehen sein Leben. Schon mit 21 Jahren steckt er sich mit der damals unheilbaren Geschlechtskrankheit Syphilis an. Eine Folge seiner vielen losen Frauenbekanntschaften. Von Depressionen und Dämonsvisionen in den Wahnsinn getrieben verbringt er seine letzten beiden Lebensjahre in einer Nervenheilanstalt bei Bonn. Was genau dort geschah blieb der Nachwelt ein streng gehütetes Geheimnis. Schumanns Krankenakte galt als verschollen. Über Ursache und Wirkung seines Leidens rätselten Musikwissenschaftler und Ärzte noch 150 Jahre nach seinem Tod. Erst 2006 wurden Originaldokumente aus der Heilanstalt Bonn Endenich veröffentlicht. Sie setzen den jahrzehntelangen Spekulationen zwar ein Ende. Doch werfen sie sogleich neue Fragen auf: Welchen Einfluss hatte die Krankheit auf Schumanns Schaffen? Muss Robert Schumanns Spätwerk nun in ganz neuem Licht betrachtet werden?
Was lange Zeit vermutet wurde, bestätigte sich anhand der 2006 veröffentlichten Krankenakte: Robert Schumann starb an den Folgen einer Neurosyphilis. Einer Geschlechtskrankheit, die sich bis an sein Lebensende in seinem gesamten Nervensystem ausgebreitet hatte und zu Hirnschwund führte. Das Leben und Schaffen Schumanns ist vor dem Hintergrund dieser neuen Dokumente und Erkenntnisse bisher filmisch unerzählt geblieben.
Seit seiner Jugend in Zwickau überschatten Tod und Tragödien Schumanns Leben. Als er 16 Jahre alt ist stirbt sein Vater an einer Nervenkrankheit. Seine Mutter folgt ihrem Mann zehn Jahre später ins Grab. Sie litt zuletzt unter starken Depressionen. Seine vier älteren Geschwister überlebt Robert allesamt. Traumatisiert von diesen Schicksalsschlägen schreibt Schumann schon in frühen Tagebucheinträgen seine Gebrochenheit mit der Welt nieder. Die Musik aber ist seine Leidenschaft. Sie hält ihn am Leben.
Er ist besessen von dem Traum, als erfolgreicher Pianist durch Europa zu reisen und die Menschen mit seinem Spiel zu begeistern. Er nimmt Klavierunterreicht bei seinen späteren Schwiegervater Friedrich Wieck in Leipzig. Schon bald muss er jedoch einsehen: Er ist nicht talentiert genug für eine Virtuosenkarriere. Doch getrieben vom Ehrgeiz trainiert er seine Finger immer mehr, bis eine Lähmung ihn plagt.
Im Dezember 1828 ist in Schumanns Tagebuch erstmals zu lesen: „Der Arm schmerzt“ und ein Jahr später: „an Fingerübungen und Tonleitern nicht mehr zu gedenken“. Um trotz dieses Leidens weiter Klavier üben zu können, ersinnt Schumann eine Übungshilfe, die den vierten Finger der rechten Hand in einer Schlinge auf einer gewissen Höhe hält, während die anderen Finger üben. Er benutz diese Trainingsvorrichtung bis eine chronische Sehnenscheidenentzündung all seine Pläne zunichte macht. Zu Beginn der 1830er Jahre verlegt er sich aufs Komponieren. Zunächst fast ausschließlich Klavierwerke. In dieser Zeit vertieft er auch seine Bekanntschaft zu seiner späteren Frau Clara, die als Pianistin und Interpretin seiner Werke weltberühmt werden soll. Doch schon jetzt plagen den sensiblen Schumann Krankheiten und Halluzinationen. Nach der Heirat mit Clara 1840 komponiert er aber seine besten Werke. Unter anderem die 1. Sinfonie oder das Klavierquintett. Aber die Krankheitsanfälligkeit lastet wie ein Fluch auf ihm. Sein Gesundheitszustand wird sich nie wieder stabilisieren. So wechselhaft wie sein Befinden ist schließlich auch die Qualität seines künstlerischen Schaffens.
In der Korrespondenz, seinem Tagebuch sowie den Rechnungsbüchern ist immer wieder von einem „schrecklichen nervösen Leiden“ die Rede. Schumann klagt 1844 erstmals über Singen und Brausen im Ohr. 1850 wird der Komponist als Musikdirektor der Stadt nach Düsseldorf berufen. Hier schreibt er seine „Rheinische“. Komponieren, Dirigieren, Proben, Konzerte, Verwaltungsaufgaben und Empfänge - Schumann unterschätzt die hohe körperliche Belastung seines neuen Berufs. Clara muss sogar die Proben dirigieren. Die Hälfte des Jahres ist er auf Kur oder im Bett. Und das Publikum verschmäht bald seine Werke, was nicht gerade zu seiner Heilung beiträgt. Zu allem Überfluss mehren sich in dieser Zeit Gerüchte, seine Frau Clara habe ein intimes Verhältnis zu dem aufstrebenden Johannes Brahms. Anfang 1854 verschlechtert sich Schumanns Gesundheitszustand dramatisch. Die akustischen Halluzinationen nehmen zu. Geräusche klingen ihm wie „Musik so herrlich mit so wundervoll klingenden Instrumenten“ in den Ohren. Aber auch wie „Dämonenstimmen mit grässlicher Musik“. Im Februar 1854 entstehen seine Variationen über ein Thema in Es-Dur, die „Geistervariationen“.
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Nervenheilanstalt in Bonn-Endenich
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Schumanns Tagebucheinträge werden immer düsterer. Den Tod sieht er mit großen Schritten auf sich zukommen. Nach seinem Freitodversuch vom Karnevalsmontag und der anschließenden Einweisung in die Anstalt lebt Schumann abgeschirmt von der Außenwelt unter der strengen Aufsicht der Ärzte. Wie die Krankenakten später beweisen, darf ihn nicht einmal seine Ehefrau Clara besuchen. Am 29. Juli 1856 stirbt Robert Schumann einsam in seinem Krankenzimmer. Öffentlich erklären die Ärzte die Krankheit und seinen über Jahre labilen Zustand mit einer unaufhaltsamen Paralyse, dem Verfall des Nervensystems.
Die Krankenakte und der Obduktionsbericht bleiben jedoch unter Verschluss und werden auch später noch geheim gehalten. Nach einiger Zeit gelten sie sogar als verschollen. Über Generationen ranken sich immer wieder Gerüchte um Schumanns Tod.
Erst ein entfernter Nachfahre des Anstaltsarztes, der Komponist Aribert Reimann, bringt 1991 Licht ins Dunkel. Er übergibt die Akte, die er von seinem Vater erbte und bislang heimlich aufbewahrte, der Berliner Akademie der Künste zur wissenschaftlichen Auswertung. 2006 dann wird die Krankenakte veröffentlicht.
In der Akte wird vor allem Schumanns psychisches Verhalten beschrieben. Darüber hinaus werden seine Halluzinationen und Wahnideen, Aggressionen gegen das Personal, seine zunehmenden Sprachstörungen, Krampfanfälle und auch Angaben zur Ernährung und zum Stuhlgang regelmäßig festgehalten. Den Unterlagen zufolge hat Schumann oft stundenlang geschrieen und seine Ärzte und Wärter angegriffen. In den letzten Wochen kommt es zu einem totalen Persönlichkeitsverlust. Schumann entkleidet sich ständig, hat zudem seine Miktion und Defäkation nicht mehr unter Kontrolle. Aber noch bis Anfang 1856 gibt es Zeiten, in denen er völlig normal ist.
Filmische Umsetzug
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Robert und Clara Schumann 1847
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Robert Schumann. Zeitlebens ist er ein Getriebener, seine Biografie ist eine des Scheiterns. Er strebt eine bürgerliche Existenz an und will gleichzeitig das Leben eines Künstlers führen. Ein guter Pianist will er werden, doch er scheitert an mangelnder Beweglichkeit seiner Finger. Er träumt davon ein berühmter Komponist zu werden, doch bleibt ihm der große Erfolg versagt. Einzig als Musikschriftsteller ist er erfolgreich. Doch nie wird er so viel verdienen, wie seine Frau Clara. Er verzweifelt. Schon als Kind war Robert sehr schweigsam gewesen. Am Ende seines Lebens zieht er sich in sich selbst zurück. In das Schweigen geistiger Umnachtung.
Die Rahmenhandlung des Films wird aus der Krankenakte Schumanns entwickelt. Entlang der Krankheits-dokumentation seiner letzten beiden Lebensjahre von seinem Suizidversuch bis zum Tod geben Rückblenden zahlreiche Einblicke in die tragische Lebensgeschichte Robert Schumanns und sein musikalisches wie schriftstellerisches Werk.
Dokumentarische Neudrehs an prägenden Lebensstationen wie Zwickau, Dresden, Leipzig, Wien, Düsseldorf, Bonn u. a. sowie in Archiven vor Ort zeichnen Schumanns Leben und den schleichenden Weg in den Wahnsinn nach. Erzählt wird aber auch die spannende Geschichte der Krankenakte selbst, ihrer Geheimhaltung, Veröffentlichung und der Bedeutung, die sie für die Schumannforschung hat. Welche Erkenntnisse birgt die Akte? Wirft sie neue Fragen auf? Lassen sich bisher unbekannte Rückschlüsse auf sein Verhältnis mit Clara Wieck ziehen? Muss Schumanns musikalisches Schaffen vielleicht sogar neu bewertet werden? Fragen, die in der Dokumentation aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden. Die Neudrehs an den Originalorten werden dabei in Re-Enactments eingebettet, die Robert Schumanns Leben zwischen Dämonsvisionen, Geniekunst und Selbstaufzehrung nachzeichnen.
Kontakt:
Axel Fuhrmann,
Geschäftsführer
merkur.tv GmbH
Heinrich-Brüning-Str. 9
53113 Bonn
Telefon 0228/ 88 41 29
Telefax 0228/ 88 41 60
Mail afuhrmann@merkur.tv

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