Home
Über uns
Team
Kontakt
Jobs
Impressum
Formate
Dokumentation
Dokumentarische Serie
Projekte
In Entwicklung
In Produktion
Abgeschlossen
Sendetermine
DVD


Projekte

Abgeschlossen

 

Das rote Atom
Stalins vergessene Stadt

Autor: Michael Rutz
Regie: Christian Heynen
Redaktion: Christoph Mestmacher (NDR)
Fachberatung: Aleksej Tschumitschow
Länge: 43'30 min.
Format: DigiBeta 16:9
Produktion: merkur.tv GmbH im Auftrag des NDR
Sendetermin: 02.03.2009: Mo., 23.00 Uhr, NDR


Obninsk ist eine Stadt wie keine andere in Russland. Hier wird nach dem Zweiten Weltkrieg Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Stalin verwirklicht hier seinen Traum vom „Roten Atom“. Zu Beginn des Kalten Krieges will er der ganzen Welt die Überlegenheit des Kommunismus demonstrieren und unbedingt den internationalen Wettlauf in der zivilen Atomforschung gewinnen. 1954 ist es dann soweit. In Obninsk geht nach jahrelanger, streng geheimer Forschung das weltweit erste Atomkraftwerk ans Netz. Für den Westen ein Schock. Für den Rest der Welt ein gefeiertes Monument moderner Technik.

In nur wenigen Jahren hat Obninsk die Führung in Sachen Kernenergieforschung übernommen. Hier baut man Atomreaktoren für Schiffe, U-Boote, auf Kettenfahrzeugen oder für die Medizin und die Eroberung des Weltraums - alle diese Programme werden in Obninsk konzipiert. Die Stadt wächst zu einer blühenden Oase heran. Die Hälfte der 100.000 Einwohner besteht aus Akademikern, die in den Geschäften Lebensmittel kaufen können, die andere Russen noch nie in ihrem Leben gesehen haben. Heute, 50 Jahre später, ist dieser Glanz verflogen. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1991 wurden alle Forschungssubventionen gestrichen. Heute kämpfen die Stadt und ihre Bewohner um das nackte Überleben. Sie versuchen, ihren Weg unter den neuen Bedingungen der Marktwirtschaft zu finden.

Beispielsweise der Mediziner Rakhimdzan Roziev. Auch er stand zu Beginn der Glasnost vor der Frage, wie es weiter gehen soll. Er wagte den Schritt in die Marktwirtschaft und produziert heute kardiologische Medikamente. Ein Vorhaben, das mit vielen Problemen verbunden war: Erpressung durch Beamte, Versuche, sein Unternehmen in den Bankrott zu treiben. Probleme, die auch heute noch jeden Privatisierungsprozess in Russland bremsen.

Die glorreiche Forschungsgeschichte zählt heute nur noch wenig in Obninsk. Der Reaktor steht abgeschaltet in einem Sicherheitsgelände, soll abgerissen werden, wirkt wie ein Relikt aus einer vergessenen Zeit. Vergessen, dass eine ganze Generation von Wissenschaftlern ihr Leben für die Forschung opferte - wie der 69 Jährige Atompionier Anatoly Voropaev, der hartnäckig für das Andenken von Obninsk und gegen das neue Konsumdenken in Russland kämpft. Vergessen auch, dass die ersten Forscher Deutsche aus Hitlers Atomprojekt waren wie etwa Rudolf Pose. Als 12-jähriger Sohn des ersten Institutsleiters kam er nach Obninsk. Für diesen Film kehrte er zurück an den Ort seiner Kindheit. In Obninsk, der Wiege der zivilen Kernkraft wurde auch der Tschernobyl-Reaktor entworfen. Noch heute lastet die Katastrophe von 1986 schwer auf der Stadt. 2000 Tschernobyl Opfer warten hier auf ihre ungewisse Zukunft. Wie Aron Levniack und Vjachteslav Goronichin, der nur noch zwei Jahre zu leben hat.

„Das Rote Atom – Stalins vergessene Stadt“ zeigt ein facettenreiches, intensives und stimmungsvolles Bild einer russischen Forschungsstadt im Wandel und ihrer Bewohner, die auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind. Ein Bild, das für ganz Russland gilt. Ein Zustand des Hoffens, Bangens, Wartens und Handelns.

Kontrollraum des ersten Atomkraftwerkes in Obninsk

Idee

In den 50er Jahren beginnt das goldene Zeitalter der Atomenergie. Sowjetische Kernphysiker entwerfen eine faszinierende Zukunft. Gigantische Reaktoren würden schnell und günstig Energie liefern, Atomantriebe sollten Autos, Schiffe und Flugzeuge bewegen. Mithilfe der Atomenergie sollte der Traum vom Kommunismus kraftvolle Realität werden. Bis heute ist die Geschichte des ersten Atomreaktors der Welt im Westen weitgehend unbekannt. Man weiß wenig über die goldene Pionierzeit der Atomenergie in Russland.

Nach den verheerenden Atombombenexplosionen von Hiroschima und Nagasaki läuft in Obninsk ein gigantisches Atomforschungsprogramm an, in dessen Zentrum neben der militärischen auch die zivile Nutzung der Atomkraft steht. Obninsk ist eines der best gehüteten Geheimnisse der UdSSR. Hier werden schnelle Brüter entwickelt, transportable Atomkraftwerke, Nukleargeneratoren für Satelliten und Antriebssysteme für Atom-U-Boote. Bis heute schlägt hier das Herz der zivilen russischen Kernenergieforschung in Obninsk – nach der Perestroika freilich unter marktwirtschaftlichen Voraussetzungen.

Indiens Premierminister Lal Nehru
besucht das Kraftwerk in Obninsk
1954

Der erste Atomreaktor der Welt steht dort – abgeschaltet, als Monument des Strebens nach nuklearer und energiepolitischer Unabhängigkeit. Alle Atomreaktoren der UdSSR wurden hier entwickelt, auch der von Tschernobyl. Die Wissenschaftler, die ihn erfunden haben, leben noch heute in Obninsk und forschen an den technischen und medizinischen Folgen des Super-Gaus. In den 90er Jahren wurde Obninsk von Putin zur „Wissenschaftsstadt“ ernannt, ein Titel, den nur wenige Städte in Russland tragen. Während des kalten Krieges bekamen die Städte, in denen Atomforschung betrieben wurde, finanzielle Zuwendungen aus dem Kreml. Nichts war für diese einst von hohen Mauern umgebenen Städte, insbesondere für die Wünsche des wissenschaftlichen Personals, zu teuer.

Immer weiter reichende Pläne wurden geschmiedet, modernste Anlagen und Ausbildungsstätten für Nuklearforscher geplant.„Aber dann“, sagt ein führender Wissenschaftler, „kam die Perestroika“.

Von nun an ging es bergab. Gebäude blieben halbfertig liegen, der staatliche Ehrgeiz auf nuklearem Gebiet ging stark zurück, die Gelder fehlten. Obninsk war auf sich gestellt. Man fragte das Volk: Die Obninsker entscheiden 1995, ihre Zukunft in der Weiterentwicklung als Wissenschaftsstadt auf dem Feld bisheriger Erfahrungen zu suchen, auf der hohen See des freien Marktes und im Wettbewerb mit dem Westen.

Damit begann der neue Aufschwung der Stadt. Die Technische Universität wurde zu einem „Zentrum für radiologische Anwendungen“ umstrukturiert. Neben der weiteren Forschung an der friedlichen Nutzung der Kernenergie wandte man sich erfolgreich verstärkt der Nuklear- und Umweltmedizin zu.

Im Umfeld der Universität entstanden Krebstherapiezentren, pharmakologische Unternehmen, metallurgische Produktionsstätten, Maschinenbau- und Softwarefirmen - ein ganzer Technologiepark, der in den letzten fünf Jahren mit staatlichen Fördermitteln am Leben erhalten wurde. Nun ist das staatliche Förderprogramm ausgelaufen und der kalte Wind des weltweiten Wettbewerbs hat Obninsk erfasst. 105 000 Einwohner hat die Stadt, 12.000 davon sind hoch qualifizierte Wissenschaftler, 9000 Studenten, 49 000 weitere Obninsker arbeiten in den Betrieben der Stadt.

Vor allem die Studenten sorgen für ein niedriges Durchschnittsalter – es liegt bei 39 Jahren. 3500 von ihnen studieren heute in Obninsk Atomtechnik. Der Bedarf an Atomingenieuren, sagen die Professoren, sei gewaltig. Weltweit würden 50.000 sofort unterzubringen sein – in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ebenso wie im Mittleren Osten oder in Asien. Regionen, in denen man unverändert auf Atomkraft setze, auch auf Kraftwerke aus der Sowjetunion, aus Obninsk. 250 Professoren kümmern sich um die Ausbildung im Atomforschungszentrum Obninsk.

Atomkraftwerk in Obnisnk, 1954

Für viele Ideen, die in Obninsk heute für zivile, werkstofftechnische, medizinische oder pharmakologische Anwendungen entwickelt werden, braucht die Stadt Geld und Partner, um sie auch in der weltweiten Marktwirtschaft umzusetzen. Die führenden Köpfe der Stadt suchen weiter nach Kontakten mit dem Westen. Noch fehlen die betriebswirtschaftlichen und die Marketing-Kenntnisse, zu gering sind die Kontaktnetze. Die aber hätten die Obninsker gerne. Nur so, das wissen sie, lässt sich ihre Stadt auf Dauer retten: Und sie glauben, dass sie mit ihrer wissenschaftlichen Tradition hier bessere Karten haben als die meisten anderen Städte Russlands.


Inhalt

Der Film erzählt die Geschichten der Menschen in der russischen Forschungsstadt Obninsk. Er erzählt vom Optimismus und den ersten Erfolgen derer, die aufbrechen in die marktwirtschaftliche Zukunft der Globalisierung. Die Geschichten der Wissenschaftler, der Unternehmer und der Stadt Obninsk, einer Stadt, die es lange Zeit auf der Landkarte nicht gab und die ihre Existenz einst Stalin und seinem Traum vom Roten Atom verdankte, stehen im Mittelpunkt der Dokumentation.


Autor

Michael Rutz - Zeitungsvolontariat "Neue Presse" Coburg. 1976 bis 1989 Bayerischer Rundfunk: Wirtschaftsredakteur, Auslandskorrespondent (USA und Großbritannien), Referent des Rundfunkrats, Leiter der Wirtschaftsredaktion Hörfunk, stellvertretender Chefredakteur des BR-Fernsehens und dort Leiter der HA Politik und Zeitgeschehen. 1989 bis 1994 Chefredakteur des Fernsehsenders Sat 1. Seit 1994 Chefredakteur des "Rheinischen Merkur", seit Juli 2000 zusätzlich Programmgeschäftsführer von "merkur.tv". Ernst-Schneider-Preis 1978 und 1982, Deutscher Mittelstandspreis 1987. Lehrbeauftragter, Honorarprofessur. Autor zahlreicher Filme, u.a. „Schäubles Fall“ (ARD, 2001) und „Helmut Kohl – Ein deutscher Kanzler“ (ARD, 2004).

Kontakt:
Axel Fuhrmann, Producer


merkur.tv GmbH
Heinrich-Brüning-Str. 9
53113 Bonn
Telefon 0228/ 88 41 29
Telefax 0228/ 88 41 60
Mail afuhrmann@merkur.tv


Ein Unternehmen der Verlagsgruppe Rheinischer Merkur und der Tellux

Projektinfo als Pdf: "Obninsk - Wissenschaftsstadt in Russland"

 

 

Treten Sie zurück! Jetzt!

Wenn Sie mit der Zeit gehen wollen, dann machen Sie jetzt sofort ganz unvermittelt von Ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch.

Kulturdusche – die Video-Kolumne des Rheinischen Merkur.

 

Robert Schumanns verlorene Träume

Das Schumann Netzwerk präsentierte gemeinsam mit merkur.tv im Bonner-Rex Kino die Preview.

 

Kulturdusche
die Video-Kolumne des Rheinischen Merkur

Aktuell, bissig, ironisch, sarkastisch.
Moderiert von Christiane Florin und Andreas Öhler.

Schwarz-rot-gold Käppchen

 

Puccini – Magier der Leidenschaft

Die aufwändige Filmbiografie verdeutlicht, wie stark Puccinis Werk mit seinem Leben verknüpft war.

Schumann Netzwerk
Schumann-Netzwerk
Tonhalle Düsseldorf
Tonhalle Düsseldorf

Kontakt:
merkur.tv GmbH
Heinrich-Brüning-Str. 9
53113 Bonn
Telefon 0228/ 884-0
Telefax 0228/ 88 41 99 info@merkur.tv
drucken