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Paganinis Geheimnis
Buch: Axel Fuhrmann und Volker Schmidt
Regie: Volker Schmidt
Redaktion: Harald Letfuß (SWR), Dr. Heidelinde
Rudy (ORF), Marijke Huijbregts (AVRO), Dr. Thomas Beck (SF),
Felix Kuballa (WDR)
Fachberatung: Ingolf Turban
Länge: 52 min
Format: DigiBeta 16:9
Produktion: merkur.tv GmbH
Koproduktion: SWR, WDR, ORF, SF, AVRO mit Unterstützung
von CoBO
Erstsendung: 17. Dezember 2006 ORF
Weiterer Sendetermin: 17. Mai 2007, 12.05 Uhr,
Das Erste
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Er kleidete sich schwarz und reiste in
einer schwarzen Kutsche, gezogen von schwarzen Pferden. Sein Ruf
als Teufelsgeiger eilte ihm voraus. Ganz Europa fürchtete sein
Erscheinen. In Irland glaubte man, er würde mit dem Schiff des
Fliegenden Holländer reisen.
Doch wenn er eintraf, war er die Attraktion. Zahnlosigkeit verlieh
ihm dämonische Züge. Krankheiten entstellten seinen Körper.
Tausende fieberten ihm entgegen und sie bekreuzigten sich, wenn
er sie berührte. Mit seiner diabolischen Erscheinung und den
sagenhaften Fähigkeiten seiner unfassbar dehnfähigen
Hand machte er das größte Vermögen, das ein Geiger
je erspielte. Als er 1840 in Nizza stirbt ist er weltberühmt.
Sein Mythos lebt bis heute: Nicolò Paganini.
Idee
Noch heute gilt Nicolò Paganini (1782-1840)
als Teufelsgeiger. Um 1830 beginnt er von Wien aus seinen Siegeszug
durch die Konzertsäle
Europas. Nie zuvor hat ein Geiger so schnell, so glanzvoll, so
lyrisch gespielt wie Paganini. Kein Geiger vermag Könige,
Kaiser und die Massen derart in Bann zu ziehen wie er. So unfassbar
virtuos spielt er seine Werke, so diabolisch ist sein Aussehen,
dass bald wilde Gerüchte entstehen: Er habe seine Frau ermordet,
um aus ihrem Darm Violinsaiten herzustellen und so seine Seele
dem Teufel verkauft. Als er stirbt verurteilt ihn ein Kuriengericht
zum Ketzer. Ein christliches Begräbnis bleibt ihm verwehrt.
So findet Paganini, zu Lebzeiten von Krankheit und Schmerzen
gepeinigt und von Konzert zu Konzert durch ganz Europa getrieben,
auch nach dem Tod keine Ruhe. Sein Sohn Achille lässt ihn
mumifizieren. Über dreißig Jahre muss sein Sarg von
einem Versteck ins andere transportiert werden, bevor er beigesetzt
werden kann - in Parma.
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Paganinis Sarg wird auf die unbewohnte
Insel St. Fereol gebracht
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War es Paganinis unnatürliche
Erscheinung, die ihm nach und nach den Ruf des Teufelsgeigers
einbrachte? Der Zahnausfall infolge einer mit Quecksilber behandelten
Syphilis? Warum veränderte
sich seine Körperhaltung in kurzer Zeit so extrem, dass
ihn Konzertbesucher für den Teufel persönlich hielten?
Und wie kam es zu der einzigartigen Beweglichkeit seiner Finger,
die seine Leibärzte beschreiben? „So kann er die vorderen
Glieder der Finger der linken Hand, die die Saiten berühren,
seitlich umbiegen, senkrecht zur natürlichen Gelenkbewegung,
und zwar mit spielender Leichtigkeit, Sicherheit und Schnelligkeit.“ Bereits
zu Lebzeiten suchten Paganinis Ärzte fieberhaft nach den
medizinischen Ursachen für seine Erscheinung und die anormale
Beweglichkeit seiner Spielhand. Doch bis heute ist dieses Geheimnis
ungelöst.
Mehr als 150 Jahre nach
Paganinis Tod werden modernste Techniken der DNA- und Haar-Analyse
helfen, die wahre Geschichte des Teufelsgeigers zu erzählen.
DNA-Analyse
Könnte eine Erbkrankheit die Ursache
für Paganinis
Körperhaltung, die unglaubliche Beweglichkeit seiner Hand
und damit für seinen Weltruhm sein? Medizinhistoriker vermuten
seit langer Zeit, dass Paganini am Marfan-Syndrom litt. Diese
Erbkrankheit kann, sofern sie ausbricht, zu Veränderungen
des Knochengewebes in erheblichem Ausmaß führen.
Der wissenschaftliche Beweis fehlt jedoch bis heute. Eine Analyse
der DNA eines direkten männlichen Nachfahren Paganinis am
Institut für Humangenetik an der Universitätsklinik
Hannover wird nun enthüllen, ob Paganini tatsächlich
an dieser Erbkrankheit litt.
Paganinis Locke
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Nicolò Paganini, ca. 1830
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In den Privatarchiven
der Familie Paganni befindet sich ein Nachlassgegenstand von
unschätzbarem Wert. Eine Haarlocke
Paganinis, die kurz nach seinem Tod abgeschnitten wurde. Mit
Genehmigung der Familie werden die Haare Paganinis erstmals
genanalytisch auf das dominant vererbliche Marfan-Syndrom untersucht.
Dazu wird die DNA Paganinis mit Hilfe der DNA seiner männlichen
Nachfahren rekonstruiert. Anschließend wird die toxikologische
Untersuchung der Haare erfolgen. Von dem „PIXE“ Verfahren
(Protone Inducted x-ray emission) erhoffen sich die Forscher
Rückschlüsse auf die in den Haaren enthaltenen Substanzen
und deren Konzentration. Mit diesem Verfahren konnte bereits
der bisher rätselhafte Tod des dänischen Astronomen
Tycho Brahe aufgeklärt werden.
Nun erhoffen sich die
Forscher Aufschluss über
den Tod Paganinis, die Medikamente und Gifte, die er in den
letzten 15 Monaten vor seinem Tod zu sich nahm.
Filmstil
Stefano und Andrea Paganini,
zwei Nachfahren Paganinis aus Mailand, begeben sich in dieser
Dokumentation auf eine Spurensuche in der Vergangenheit. Zurück in die Biografie Paganinis. In
die Zeit seiner größten Triumphe und seiner bittersten
Niederlagen. Die beiden Ur-Urenkel des Teufelsgeigers reisen
nach Genua, Parma, Wien, Nizza und in die Labors der Wissenschaftler,
um Paganinis Geheimnis zu lüften. Das Interesse der beiden
hat einen Grund. Vor zwei Jahren starb ihr Vater an einer geplatzten
Aorta. Ein wichtiges Indiz für das Marfan-Syndrom, jene
Erbkrankheit, an der Nicolò Paganini gelitten haben könnte.
Sollte Paganini wirklich daran erkrankt gewesen sein, wäre
eines der großen Geheimnisse um seine Virtuosität
gelüftet.
Die Nachforschungen seiner
Ur-Urenkel, filmisch inszenierte Rückblenden in das Leben Paganinis, von der Kindheit bis
zu seinem Tod, und die aktuelle Forschungsarbeit der Wissenschaftler
lassen den Mythos Paganini wiederauferstehen. International renommierte
Paganini-Experten erklären wie Paganini das Violinspiel
revolutionierte. Sie rekonstruieren seine Handhaltung und Spieltechnik.
Gemeinsam mit Computerspezialisten erstellen sie eine bewegte
3D-Animation seiner Hand. Erstmals wird dazu die „Canone“,
Paganinis Violine auf kleinste Gebrauchsspuren untersucht und
der einzige erhaltene Gipsabdruck von Paganinis Hand vermessen
und in 3D-Technik abgefilmt.
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Gipsabdruck der rechten
Hand |
Zeichnung von Johann Peter Lyser |
In den Re-Inszenierungen
filmisch und erzählerisch, in
den dokumentarischen Teilen wissenschaftlich investigativ aufbereitet,
wird die Figur Paganini in neuem Licht erscheinen: Die Dokumentation
erzählt, durch welche Umstände Paganini zum Teufelsgeiger
wurde und sucht wissenschaftliche Erklärungen für seine
Virtuosität. Sie wird zeigen, dass Paganini hinter der Maske
des Teufelsgeigers ein empfindsames, oft von unerträglichen
Schmerzen gepeinigtes Genie war. Aus seiner körperlichen
Veranlagung und seiner unglaublichen Energie schöpfte er
die Kraft der musikalischen Inspiration und des instrumentalen
Könnens.
Die Forschungsarbeit im Rahmen dieser Dokumentation wird ermöglicht
durch die freundliche Unterstützung der Familie Paganini
in Mailand und Parma, der Paganini Gesellschaft Genua, der Stadt
Genua, der Universität Parma, des Institutes für Humangenetik
der Universitätsklinik Hannover und des Max Planck Instituts
Saarbrücken.
Inhalt
In ihrer Gesamtheit wird die Dokumentation folgende Aspekte
beinhalten:
1) Die Haar- und DNA-Analyse sowie der medizinhistorische Ansatz
bilden den roten
Faden des Films
2) Die Lebensgeschichte Paganinis und die Odyssee seiner Mumie werden mit Hochglanz-Re-Enactments
nacherzählt
3) Das dämonisch-diabolische Erscheinungsbild Paganinis wird erklärt
und untersucht
4) Dokumentarische Aufnahmen an Originalschauplätzen ermöglichen
Rückblenden
in die Vergangenheit
5) Erstellen der 3D-Computeranimation von Paganinis Hand und Statements von
Experten helfen Paganinis Virtuosität zu erklären
6) Mit hochwertigen Kartenanimationen werden die Stationen der Konzerttourneen
Paganinis und die Odyssee seiner Mumie nachvollzogen
Drehorte
Parma, Lucca, Genua, Nizza,
Mailand, Wien, Göttingen und Hannover
Experten und Protagonisten
- Andrea und Stefano Paganini, Mailand
- Dr. Arslan-Kirchner, Institut für Humangenetik, Hannover – DNA-Analyse
- Dr. Beatrix Patzak, Direktorin Pathologisch-anantomisches Bundesmuseum
Wien
- Dr. Dr. Harald Kijewski, Institut für Gerichtsmedizin,
Göttingen
- Dr. Jens Beck, Institut für Umweltmedizin, Göttingen
- Werner Fuld, Paganini-Biograf
- Dr. Gilles Bouis, Archivleiter Diözesanarchiv Nizza
- Prof. Ingolf Turban, Geiger und Paganini Experte, München
Kontakt:
Axel Fuhrmann,
Leiter Entwicklung und Produktion

merkur.tv GmbH
Heinrich-Brüning-Str. 9
53113 Bonn
Telefon 0228/ 88 41 29
Telefax 0228/ 88 41 60
Mail afuhrmann@merkur.tv

Ein Unternehmen der Verlagsgruppe Rheinischer Merkur und der Tellux
Projektinfo als Pdf: "Paganinis
Geheimnis"
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